ag.doc // Arbeitsgruppe zur Dokumentation von Diskriminierung und rechter Gewalt im Umfeld der Leipziger Fußballfanszene

Wiederholt politisch motivierte Gewalt gegen Chemie-Fans

Posted in Pressemitteilungen by agdoc on 4. Mai 2009

In Lausen ist es am gestrigen Sonntag erneut zu gewalttätigen Übergriffen gegen Fans der BSG Chemie Leipzig gekommen. Eine Gruppe von 50 Neonazis, die sich aus Mitgliedern der „Freien Kräften Leipzig“, der Fanszene des 1. FC Lok Leipzig sowie Vertretern der „Metastasen“ des FC Sachsen Leipzig zusammensetzte, attackierte die Fans an der Straßenbahnendhaltestelle Lausen. Die Aggressoren riefen „Juden“, „Antifa – Ha ha ha“, „L-O-K“ und „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“. Der Angriff ging äußerst brutal von statten. Als Waffen benutzten die Neonazis Baustellenschilder, Steine, Flaschen und pyrotechnische Erzeugnisse. Ein Chemie-Fan erlitt infolge von Steinwürfen Kopfverletzungen.

Bereits im Stadion war es zu rechtsradikalen Provokationen gekommen. Die späteren Angreifer warfen von außen Knallkörper auf das Gelände des Lausener Sportplatzes. Zudem fiel im Publikum eine Gruppe von 20 Neonazis, darunter mindestens ein Kader der „Freien Kräfte Leipzig“, durch rassistische Parolen und das Tragen der in rechtsradikalen Kreisen beliebten Kleidungsmarke „Thor Steinar“ auf. Auf der Anzeigetafel ließen sie eine „88“, den Code für „Heil Hitler“, erscheinen.

Die Einsatzkräfte der Polizei, die das Spiel absichern sollten, wirkten überfordert. Während des Angriffs unternahmen die Beamten keine Versuche, die Personalien der rechtsradikalen Aggressoren festzustellen. Stattdessen gingen sie mit Pfefferspray gegen die Fans der BSG Chemie, die Opfer der Aggressionen, vor. Auch die permanenten antisemitischen Rufe der Angreifer blieben ohne polizeiliche Sanktion. Die Möglichkeit, gegen die neonazistischen Provokateure Platzverweise auszusprechen und somit einen friedlichen Fußballnachmittag sicherzustellen, wurde nicht in Betracht gezogen.

Bereits in den vergangenen Monaten waren Fans der BSG Chemie wiederholt Ziel rechtsradikaler Provokationen und Gewalt gewesen. Am 3. Januar 2009 kam es zu einem brutalen Übergriff von 50 Vermummten mit den Parolen „Ihr Drecksjuden“ und „Töten, Töten“. In der Folge gab es am 19. April 2009 in Miltitz gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Chemie-Fans und Kadern der „Freien Kräfte Leipzig“. Die Fans der BSG Chemie sind in die Zielscheibe der Neonazis geraten, da sie sich offensiv gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen.

4 Antworten

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  1. […] der Gewalt – diesmal von den Neonazis ausgehend. Die Ereignisse wurden umfassend von der ag.doc […]

  2. wassermax said, on 7. Mai 2009 at 7:31 pm

    also war näherer betrachter der sache weil ich mit dem auto da stand und muss sagen das die diablos zu erst pyro gezündet haben also war eindeutig zu erkennen

  3. Allgäuer said, on 9. Mai 2009 at 6:26 am

    Eine große Bitte: sprecht und schreibt immer „rechtsradikal“, rechtsextrem“ usw., aber nicht nur „rechts“ wie im Titel, auch wenn es kürzer und griffiger ist.
    Ungewollt werden diese gefährlichen Umtriebe verharmlost. Nenn die Neinaziss als das, was sie sind. – Bei uns im Dorf wählt keine mehr rechtsradikal (früher bis zu 10% als „Protestwähler“, die nicht wuißten, was sie taten). Also bitte „rechtsradikale Gewalt“ oder „rechtsextreme Gewalt“ – Gruß aus dem Allgäu nach Sachsen.

  4. […] sie jedoch nicht kommen. Wie verschiedene Quellen berichten, wie etwa das Dokumentationsportal „ad.dog“ oder der „Chemieblogger“, wartete eine Gruppe mutmaßlich dem rechten Spektrum zugehörender […]


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