ag.doc // Arbeitsgruppe zur Dokumentation von Diskriminierung und rechter Gewalt im Umfeld der Leipziger Fußballfanszene

Neonazi-Attacke auf Spieler und Fans des Roten Stern Leipzig in Brandis

Veröffentlicht in Pressemitteilungen von agdoc am 26. Oktober 2009

Bewaffneter Angriff fordert mehrere Schwerverletzte / Gastgeber und Polizei können Sicherheit nicht gewährleisten

Etwa 50 schwarz bekleidete und teilweise vermummte Neonazis haben am Samstag in Brandis Spieler und Fans des Roten Stern Leipzig angegriffen. Mehrere Fans mussten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Augenzeugenberichten zufolge soll es sich bei den Angreifern unter anderem um Personen aus dem Umfeld von „Fighting Fellas“ sowie um bekannte Neonazis aus Machern gehandelt haben.

Kurz vor Anpfiff der Partie hatte ein Ordner des gastgebenden FSV Brandis den Neonazis durch einen Hintereingang unkontrollierten Zutritt verschafft und sich anschließend selbst vermummt. Die Angreifer bewaffneten sich mit Steinen, Holzlatten und Eisenstangen, welche vorbereitend auf dem Sportplatz gelagert waren, weshalb die Verantwortlichen des Roten Stern von einem geplanten Angriff ausgehen.

Mit dem Anpfiff begannen die Attacken. Die Neonazis zündeten „LaBombas“ und schlugen auf ihre Oper ein. Infolge dessen kam zu regelrechten Jagdszenen auf dem Sportgelände. Der Schiedsrichter brach die Partie unmittelbar im Anschluss daran ab. Da keine ausreichende Anzahl an Polizeikräften vor Ort anwesend war und die baulichen Begebenheiten des Sportgeländes keine Flucht ermöglichten, mussten sich die angegriffenen Spieler und Fans des Roten Stern selbst verteidigen. Nach einer schweren Massenschlägerei auf dem Spielfeld gelang es nach etwa 15 Minuten, die Neonazis zu vertreiben.

Die herbeigerufene Polizei traf erst 20 Minuten nach Beginn des Angriffs mit einem Einsatzwagen ein. Über eine halbe Stunde verging, ehe eine größere Anzahl von etwa 20 Polizisten am Tatort ankam. Bereits im Vorfeld der Partie war über ein entsprechendes Bedrohungsszenario spekuliert worden. Die Sicherheitsbesprechungen zwischen dem FSV Brandis und der Polizei führten jedoch nicht zu einer Aufstockung der Polizeikräfte. Die Rolle des FSV Brandis ist zutiefst fragwürdig, da die Neonazis anscheinend mit dem Verein oder einzelnen Mitgliedern kooperierten und es sich bei den Angreifern zum Teil auch um Vereinsangehörige handelte.

Eine Antwort schreiben