29. April 2009: Rechtsradikale Gesänge bei Regionalliga-Punktspiel
Während des Spiels FC Sachsen Leipzig gegen VFC Plauen in der Regionalliga ist es am 29. April 2009 erneut zu rechtsradikalen Rufen aus dem Block der Anhänger des FC Sachsen gekommen. Die Gruppe „Spass Hamm“ schildert in einer Erklärung die Geschehnisse wie folgt:
So sollte unser Vorsänger Lieder anstimmen wie, „Wir sind alle rechtsradikal.“ oder einen Dauergesang hinlegen bei Liedern wie, „Chemnitz, Plauen wir ficken eure Frauen.“. Das bei Spielen ab und zu ein Lied gegen den Gegner gerichtet ist, sollte okay gehen, jedoch nur solche Lieder und Pöbeleien sind nicht in unserem Interesse. Was wäre denn losgewesen, wenn die Lieder noch extremer geworden wären, am Ende hätte es noch eine Strafe gegeben. Nachdem wir uns dann entschieden hatten, mal 5 Minuten den Mund zu halten, damit sich alle etwas beruhigen, kamen immer wieder Anti-Plauen Lieder bis zu Sprüchen wie „Sieg Heil “ und „wir sind die schönsten Jungs aus der Reichsmessestadt.“ Um hier auch gleich die Gerüchte zu begraben, es waren nicht die Metas, die diese Lieder sangen!
[...]
Ab diesem Moment war Schluss mit lustig, dies ist auch für eine unpolitische Gruppe nicht ertragbar und hinnehmbar, schließlich muss das, was für Links gilt, auch für das andere Extrem gelten. Daher haben wir uns in der Halbzeitpause entschieden, den Platz zu wechseln, um damit ein Zeichen zu setzen, dass wir solche Leute nicht brauchen.
Die Gruppe „Spass Hamm“ hat Aufgrund der Gesänge zehn Minuten vor Spielende den Block verlassen.
Aufruf zur Demonstration am 1. Mai 2009
Startpunkt: 13:00 Uhr – Connewitzer Kreuz (zum Südplatz)
Rassismus und Diskriminierung – ohne uns!
It works – Rassismus & Diskriminierung! …wie lange noch???
Für alle Menschen mit falschem Pass heißt es Mauern hoch rund um Europa. Flüchtlinge ertrinken im Meer, stehen vor den sechs Meter hohen Mauern oder werden von Grenzbeamten gejagt. Jene, die es schaffen, arbeiten meist ohne soziale Absicherung und werden skrupellos ausgebeutet. Dieses zumeist anonyme Leid wird hier meistens wortlos akzeptiert. Ursache hierfür sind auch rassistische und diskriminierende Einstellungsmuster, die von weiten Teilen der Bevölkerung geteilt werden. Offensichtliche und subtile Formen der Ausgrenzung von Migrant_innen durchsetzen die Gesellschaft. Seien es ungleiche Bildungschancen für Migrant_innen, rassistische Schmähungen in Fußballstadien oder der pöbelnde Fascho vorm Supermarkt, diese Facetten unserer Gesellschaft funktionieren tagtäglich nahezu einwandfrei, sei es an normalen Arbeitstagen oder am Tag der Arbeit.
Diskriminierung und Rassismus sind gesellschaftliche Phänomene, die ein gerechtes Zusammenleben aller Menschen verhindern. Ohne die alltägliche Reflexion und die fortwährende Thematisierung dieser Missstände ist eine Veränderung nicht möglich.
Den rassistischen und diskriminierenden Konsens aufdecken – auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!
Red Star Supporters Club (RSSC)
AG.DOC
21. April 2009: Autonome Nationalisten kleben Propaganda-Plakate in Leipzig-Grünau
In der Nacht vom 20. zum 21. April haben die „Autonomen Nationalisten Leipzig“ („ANL“) im Leipziger Stadtteil Grünau Propaganda-Plakate geklebt. Darauf richteten sie sich mit den Parolen „Ob Antideutsch, ob Chemie – Wir vergessen nie!“, „Stellt euch!!!“ und „ANL is watching you“ gezielt gegen Fans der BSG Chemie Leipzig.
Die „Freien Kräften Leipzig“nutzen im Streetart-Bereich „Autonome Nationalisten Leipzig“ als Selbstbezeichnung. Das unten abgebildete Plakat verdeutlicht die Verstrickung von Neonazis in die Auseinandersetzung um das Spiel des SV Grün-Weiß Miltitz gegen die BSG Chemie Leipzig am 19. April 2009.

Presseberichte zum 19. April 2009: Leipziger Internetzeitung
Fußball in Leipzig: Randale in niedrigster Spielklasse
Da stöhnen nun auch Leipzigs Polizisten – mit Recht. Denn nach Regionalliga und Oberliga muss die Leipziger Polizei nun auch in der niedrigsten aller Fußballverbandsklassen, der dritten Kreisklasse, tätig werden.
Da kam es nämlich am Sonntag, 19. April, gegen 13:00 Uhr zu einer Auseinandersetzung zwischen etwa 50 „Fans“ der BSG Chemie und rund 20 Anhängern des FC Sachsen. „Diese hatten die Absicht, die hochklassige Partie zwischen Grün-Weiß-Miltitz und der BSG Chemie zu besuchen“, stellt die Polizei im Nachhinein trocken fest.
Doch beim Betreten des Sportplatzes in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße wurden die FC-Sachsen-Fans von den „Ultrafans“ der BSG Chemie angegriffen und am Betreten des Geländes gehindert. Dabei wurden Tische, Stühle und Gläser des Freisitzes der Gaststätte als Wurfgegenstände genutzt. Die Sachsenfans verließen daraufhin den Sportplatz.
Gegenüber der dann mit einem Großaufgebot herbeieilenden Polizei machten sie keine Ansprüche geltend und verzichteten, da sie nicht verletzt wurden, auf eine Anzeige. Und da die Chemiefans den entstandenen finanziellen Schaden umgehend beglichen, verzichtet auch der Gaststättenbetreiber auf eine Anzeige.
„Dennoch wurden von Amts wegen die Ermittlungen aufgenommen“, teilt die Polizei mit.
Leipziger Internetzeitung vom 20.04.2009
Eine Richtigstellung von BSG Chemie-Fans zu “Randale vor Fußballspiel“ am 19. April 2009
Redaktion
So schnell kann es also gehen. Die Polizei meldet etwas und alle melden mit. Diesmal auch die L-IZ.de. Heute widersprechen die Fans der BSG Chemie Leipzig vehement und schriftlich. Die Auseinandersetzungen am Sportplatz in Miltitz wären eindeutig von einer Gruppe von 20 Personen provoziert worden. Einer Gruppe, welche sich ua. aus den “Freien Kräften“ zusammensetzte.
So heißt es in der Gegendarstellung unter anderem: “wir … fordern gleichzeitig eine Richtigstellung der veröffentlichten Ereignisse auf der Onlinepräsenz der Sächsischen Polizei vom 20.04.2009, wonach eine Gruppe von ca. 50 Anhängern der BSG Chemie Leipzig am vergangenen Sonntag eine Gruppe von etwa 20 FC Sachsen-Fans vom Sportplatzgelände in Miltitz gejagt haben soll.“
Dicht gefolgt von der fast noch wichtigeren Meldung seitens der Chemie-Fans dazu: “Die Aggressionen richteten sich in keinem Fall gegen Anhänger des Regionalligisten, sondern ausschließlich gegen – der Polizei und Presse gewiss bekannte – Kader der Freien Kräfte Leipzig. Der Auftritt der regelmäßig gewaltbereit auftretenden Neonazis diente nur äußerst unwahrscheinlich dem Zweck, der Kreisklassebegegnung friedlich beizuwohnen. Vielmehr sollten die Fans der BSG Chemie gezielt provoziert und bedroht werden.“
Weiter heißt es nun seitens der aus Chemie Fans bestehenden “Arbeitsgruppe zur Dokumentation von Diskriminierung und rechter Gewalt im Umfeld der Leipziger Fußballfanszene“ zum Verlauf:
“Wiederholte Hinweise engagierter Chemie-Fans gegenüber den Neonazis, das Sportgelände zu verlassen, wurden durch die Provokateure ignoriert. Erst dann eskalierte die Situation und es kam zu Gewaltanwendung und damit verbundenem Sachschaden.“
Im Anschluss an den Vorfall, stellen sich die BSG Chemie Fans einige Fragen, nun unter anderem auch an die Leipziger Polizei, wenn es um Fußball in Leipzig geht:
Warum verlässt der eingesetzte Streifenwagen der Polizei nur Momente vor dem Eintreffen der Neonazis das Sportplatzgelände, obwohl dieser als Präventivmaßnahme vor Ort hätte bleiben müssen? Hätten die Provokateure so nicht frühzeitig identifiziert werden und eine Eskalation der Situation verhindert werden können?
Warum gibt die Polizei gegenüber Presse und Öffentlichkeit derart unkonkrete Informationen über die Provokateure weiter, obwohl ihnen nach erfolgter Überprüfung der beteiligten Personen zumindest Hinweise über deren Gewaltbereitschaft und ihre Speicherung in der Datei Gewalttäter Sport vorliegen müssten?
Welche sind die Beweggründe dafür, dass die politischen Dimensionen bei Auseinandersetzungen im Leipziger Fußball stets ausgeklammert und auf bloße Fußballgewalt (zwischen Vereinen und/oder rivalisierenden Fangruppen) reduziert werden?
Die Vorfälle am 3. Januar und 19. April 2009 veranschaulichen jedoch, dass Neonazikader wie die Freien Kräfte Leipzig die Rivalität im lokalen Fußball als Plattform für ihre Provokationen, Propaganda und Gewalt zu missbrauchen wissen.
Wir halten es für wichtig und notwendig, die aufgeführten Fragen in einem möglichst öffentlichen Diskurs zu beantworten. Dies erscheint uns besonders dringend, da eine undifferenzierte Darstellung der gesamten Situation zusätzlich schadet und das ohnehin schon schwierige Verhältnis zwischen allen beteiligten Parteien extrem belastet.
Wir appellieren weiterhin an die Polizei, sowie die lokalen Medien, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu werden und fordern daher eine richtig gestellte, ausführlichere und differenziertere Wahrnehmung und Berichterstattung dieser Problematik.
Das Spiel der BSG Chemie Leipzig gegen SV Grün-Weis Miltitz 2 endete übrigens 5:0 für die BSG. Na immerhin etwas Freude an diesem Tag.
Presseberichte zum 19. April 2009: Leipziger Volkszeitung
Auseinandersetzung in 3. Kreisklasse: Chemie-Fans werfen mit Freisitz-Möbeln
Leipzig. Randale in der 3. Kreisklasse: Am Rande des Spiels zwischen Grün-Weiß Miltitz II und der BSG Chemie Leipzig sind am Sonntag gegen 13 Uhr ankommende Besucher am Sportplatz in der Ludwig-Jahn-Straße mit Tischen, Stühlen und Gläsern beworfen worden. „Etwa 20 Fans des FC Sachsen hatten die Absicht, das Spiel zu verfolgen“, sagte Polizeisprecher Sebastian Schmidt gegenüber LVZ-Online am Montag. BSG-Anhänger widersprechen dieser Darstellung.
Den Beamten zufolge wollten Chemie-Ultras die Fußballanhänger des Regionalligisten aus Leutzsch nicht bei ihrem Spiel dabei haben und hätten sie deshalb mit Möbeln eines angrenzenden Freisitzes beworfen. Verletzt wurde dabei niemand. Nach Polizeiangaben erstattete keiner der Beteiligten eine Anzeige. Auch der Gaststättenbetreiber ließ die Sache auf sich beruhen. Ihm sei der entstandene Schaden umgehend ersetzt worden. Die Ordnungshüter haben dennoch von Amts wegen die Ermittlungen aufgenommen.
Fans der BSG stellen den Vorfall anders als die Polizei dar. Bei den 20 „vom Platz gejagten“ Fans habe es sich keinesfalls um Anhänger des FC Sachsen gehandelt, heißt es in einer am Montag versendeten Mitteilung. Die Aggression habe sich vielmehr gegen „bekannte Kader der Freien Kräfte Leipzig gerichtet“. Der Auftritt von Neonazis bei einem Chemie-Spiel stelle eine „gezielte Provokation und Bedrohung“ dar.
Der Vorstand der BSG Chemie unterstrich der Mitteilung zufolge erneut, dass der Verein keine Vorbehalte gegenüber dem FC Sachsen hat. Fans beider Lager hätten erst vor zwei Wochen gemeinsam das Heimspiel gegen West 03 gesehen.
Chemie-Anhänger sind in den vergangenen Monaten mehrfach Opfer von Übergriffen geworden. Besonders brutal war ein Vorfall im Januar. Vor einem Hallen-Turnier in der Ernst-Grube-Halle waren BSG-Fans von einer Gruppe Maskierter angegriffen worden. Ein 22-Jähriger musste damals mit Verdacht auf Schädelbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden, ein 23-Jähriger verlor mehrere Zähne, wurde ambulant behandelt. Andere Besucher trugen Hämatome davon. Bereits damals vermuteten Beobachter, dass einige der Schläger der rechtsextremen Szene angehören. Die Chemie-Fans gelten dem linkspolitischen Spektrum zugehörig, der Schwerverletzte kam aus der Antifa-Szene.
Fußball wurde am Sonntag auch noch gespielt. Die Begegnung gegen Miltitz endete vor rund 400 Zuschauern 5:0 für Chemie. Vier Tore schoss allein Marko Babick.
nle, mro, LVZ-Online
LVZ-Online am 20.04.2009
Hooligan-Randale in 3. Kreisklasse
Jetzt gibt es schon in der niedrigsten Fußball-Liga massive Krawalle: Am Sonntag gerieten in der dritten Kreisklasse bei der Partie zwischen Grün-Weiß Miltitz und der BSG Chemie etwa 50 Fans von Chemie und 20 Anhänger des FC Sachsen aneinander, teilte die Polizei gestern mit. Ein Großaufgebot an Ordnungshütern musste zum Sportplatz in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße. „Die Sachsen-Fans wurden von den Ultras der BSG Chemie attackiert“, so Kriminaloberkommissar Sebastian Schmidt. Die Angreifer hätten mit Tischen,
Stühlen und Gläsern des Freisitzes geworfen. Die Sachsen-Fans blieben unverletzt, verzichteten auf eine Anzeige. Ebenso wie der Wirt, nachdem die Chemie-Hooligans den finanziellen Schaden beglichen hatten.
Quelle: LVZ vom 21.04.2009
Pressemitteilung vom 20. April 2009
Richtigstellung/Stellungnahme: „BSG Chemie-Fans jagen FC Sachsen-Anhänger vom Platz“ bzw. „BSG Chemie-Fans jagen Eindringlinge vom Platz“ (LVZ Online vom 20. April 2009)
Fans der BSG Chemie Leipzig widersprechen einem Bericht von „LVZ Online“, wonach während der Kreisklasse-Partie zwischen Grün-Weiß Miltitz II und der BSG Chemie am gestrigen Sonntag eine Gruppe von etwa 20 Fans des FC Sachsen Leipzig vom Platz gejagt worden sei. Die Aggressionen richteten sich nicht etwa gegen Fans des Regionalligisten, sondern gegen bekannte Kader der „Freien Kräfte Leipzig“. Der Auftritt der gewaltaffinen Neonazis stellte für die Fans der BSG Chemie eine gezielte Provokation und Bedrohung dar. Wiederholte Hinweise seitens der Chemie-Fans, das Sportgelände zu verlassen, ignorierten die Provokateure.
Polizeibericht zum 19. April 2009
Randale vor Fußballspiel
Nach Regionalliga und Oberliga muss die Leipziger Polizei nun auch in der niedrigsten aller Fußballverbandsklassen, der dritten Kreisklasse, tätig werden. So kam es am gestrigen Tag, gegen 13.00 Uhr, zu einer Auseinandersetzung zwischen ca. 50 „Fans“ der BSG Chemie und ca. 20 Anhängern des FC Sachsen. Diese hatten die Absicht, die hochklassige Partie zwischen Grün-Weiß-Miltitz und der BSG Chemie zu besuchen. Beim Betreten des Sportplatzes in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße wurden die FC-Sachsen-Fans von den „Ultrafans“ der BSG Chemie angegriffen und am Betreten des Geländes gehindert. Dabei wurden Tische, Stühle und Gläser des Freisitzes der Gaststätte als Wurfgegenstände genutzt. Die Sachsenfans verließen daraufhin den Sportplatz. Gegenüber der mit einem Großaufgebot herbeieilenden Polizei machten sie keine Ansprüche geltend und verzichteten, da sie nicht verletzt wurden, auf eine Anzeige. Da die Chemiefans den entstandenen finanziellen Schaden umgehend beglichen, verzichtet auch der Gaststättenbetreiber auf eine Anzeige. Dennoch wurden von Amts wegen die Ermittlungen aufgenommen. (Schm)
19. April 2009: Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Fans der BSG Chemie Leipzig
Anlässlich des Spiels der BSG Chemie Leipzig beim SV Grün-Weiß Miltitz II ist am Sonntag, dem 19. April 2009, eine Gruppe von etwa 20 Neonazis erschienen, um zu provozieren. Fans der BSG Chemie forderten die ungebetenen Gäste auf, das Sportplatzgelände zu verlassen. Als dies nicht nach geschah, kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen. Die Neonazis flüchteten. Als sie von der Polizei aufgegriffen wurden, gaben sie sich als vermeintliche Fans des FC Sachsen Leipzig aus. Unter den Provokateuren befanden sich einzelne Kader der „Freien Kräfte Leipzig“ sowie Rechtsradikale aus dem Fußballumfeld (Weiteres in einer Pressemitteilung der ag.doc).
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